Ratgeber

Wärme und Entspannung helfen gegen Regelschmerzen.

Regelschmerzen rezeptfrei behandeln

Hilfreiche Mittel gegen Dysmenorrhö

Krampfartige Unterleibsschmerzen treten bei vielen Mädchen und Frauen während der Menstruation auf. Wie Betroffene die Beschwerden einer Dysmenorrhö mit Medikamenten und Verhaltensmaßnahmen lindern und wann sie besser zum Arzt gehen.

Kündigen krampfartige Unterleibsschmerzen den Beginn einer Menstruation bereits seit der ersten Monatsblutung an, leiden Mädchen und Frauen unter einer primären Dysmenorrhö. Ursache hierfür sind körpereigene Substanzen, sogenannte Prostaglandine, die das Zusammenziehen der Gebärmutter auslösen, was zu starken Schmerzen führt. Begleitet werden die Beschwerden teils von Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schweißausbrüchen oder Durchfällen.

Von der primären Dysmenorrhö abzugrenzen ist die sekundäre Dysmenorrhö, bei der die Schmerzen bei Frauen über 30 Jahren auftreten, deren Monatsblutung bisher schmerzarm oder schmerzfrei verlief. In diesem Fall sind die Beschwerden auf andere Ursachen zurückzuführen und Symptome unterschiedlicher Krankheiten wie Endometriose oder Myomen.

Wann Sie am besten zum Arzt gehen

Grundsätzlich können Sie die Menstruationsschmerzen mit einfachen Mitteln behandeln. In folgenden Fällen sollten Sie Ihre Schmerzen jedoch von Ihrem Arzt abklären lassen:

  • erstmaliges Auftreten von Regelschmerzen nach beschwerdefreien Jahren
  • extrem starke Regelblutung
  • zunehmende Dauer oder Intensität der Menstruationsschmerzen
  • Regelschmerzen, die vor oder nach den ersten drei Tage der Regelblutung auftreten
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Regelschmerzen, die mit nicht-verschreibungspflichtigen Präparaten nicht ausreichend gelindert werden können

Falls diese Kriterien nicht auf Sie zutreffen, lesen Sie im Folgenden Tipps, die die Apothekerin Dr. Sabine Werner in der Deutschen Apotheker Zeitung Mädchen und Frauen zur Linderung ihrer Menstruationsbeschwerden gibt.

Regelschmerzen sollten nicht die Regel sein

Bei der Behandlung von Regelschmerzen sind Arzneimittel der nicht-selektiven, nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) Mittel der ersten Wahl. NSAR hemmen die Produktion der Prostaglandine, welche die Empfindsamkeit der Schmerzrezeptoren steigern und für die teils schmerzhaften Kontraktionen der Gebärmutter verantwortlich sind. Aufgrund ihrer Wirkungsweise lindern NSAR deshalb die Schmerzen.

Die Apothekerin empfiehlt die Einnahme von Ibuprofen (wie in Dolormin®, Ibuprofen Basics® oder Mensoton® gegen Regelschmerzen) und Naproxen (beispielsweise in Aleve®, Dolormin®für Frauen, Naproxen-ratiopharm®) die bereits für junge Mädchen ab sechs (Ibuprofen) und zwölf Jahren (Naproxen) zugelassen sind. Alternativ verweist Dr. Werner auf Diclofenac (wie in Diclac®Dolo, Diclofenac dura ® oder Voltaren Dolo®), welches ab einem Alter von 14 Jahren eingenommen werden kann.

Nabuproxen und Ibuprofen als Mittel der Wahl

Hinsichtlich der Wirkzeit sollten Sie Nabuproxen bevorzugen, da es die Schmerzen länger vermindert. Im Vergleich zu Ibuprofen treten jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit die für die NSAR typischen gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Magenschmerzen oder Übelkeit auf. Auch zentralnervöse Beschwerden wie Kopfschmerzen, Beklommenheit oder Schwindel können die schmerzlindernde Wirkung begleiten. Entscheiden Sie deshalb individuell, welches Mittel Sie gut vertragen und Ihnen am besten hilft. In Zweifelsfällen berät Sie gerne Ihr Apotheker.

Wie Sie Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac einnehmen

Nehmen Sie die NSAR sofort bei Schmerzbeginn und idealerweise unmittelbar vor der Mahlzeit ein, bei überzogenen Arzneiformen mit etwas zeitlichem Abstand. Hinweis: Wundern Sie sich nicht, wenn bei Ihnen trotz der richtigen Einnahme die genannten Nebenwirkungen auftreten. Diese rühren meist nicht vom Auflösungsprozess der Arznei im Magen, sondern von der resultierenden verminderten Schutzwirkung der Prostaglandine auf die Magenschleimhaut.

Die empfohlenen Einzeldosen und Tagesmaximalangaben entnehmen Sie dem Beipackzettel. Grundsätzlich sollte sich die Applikation an den Altersangaben orientieren und einen Zeitraum von vier Tagen nicht überschreiten. Bei länger anhaltenden Schmerzen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Kontraindikationen bei NSAR-Präparaten

Nicht eingenommen werden dürfen Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac bei Geschwüren im Magen-Darm-Bereich und zeitgleicher Therapie mit oralen Glucocorticoiden. Auch bei der Behandlung mit Antikoagulanzien wie mit Heparin-Präparaten sollte von NSAR-Medikamenten abgesehen werden. Ist Ihnen der Wirkstoff Ihrer Medikamente nicht bekannt, geben Ihnen Apotheker gerne Auskunft.

Tipp: Liegt eine der Kontraindikationen und ein zeitgleicher Verhütungswunsch vor, sollten Sie Ihren Frauenarzt aufsuchen.

Regelschmerzen lindern ohne Medikamente

Neben der Behandlung mit NSAR-Präparaten empfiehlt die Apothekerin verschiedene Methoden, um die Regelschmerzen zu lindern. Zwar ist deren Wirkung in Studien nicht ausreichend belegt, jedoch können sie individuell zu leichten Besserungen führen:

  • Entspannungsmethoden
  • Biofeedback
  • Yoga
  • warme Vollbäder
  • regelmäßigen Sport.


Die lokale Anwendung von Wärme hebt Dr. Werner besonders hervor: Studien zufolge führt sie zu ähnlichen Wirkungen wie NSAR-Medikamente oder verstärkt deren Wirksamkeit noch. Neben herkömmlichen Methoden wie Kirschkernkissen oder Wärmflaschen erhalten Sie in der Apotheke Präparate, die Sie unauffällig unter der Kleidung tragen und somit für den außerhäuslichen Gebrauch geeinget sind. Als Beispiele führt die Apothekerin Wärmeauflagen von ThermaCare® oder SOS®Regelschmerz-Pflaster an, die aus Eisenpulver, Salz, Aktivkohle und Wasser bestehen und sich bei Kontakt mit Luftsauerstoff selbst erwärmen. Acht bis zwölf Stunden lindert die Wärme die Regelmschmerzen und ermöglicht Ihnen ein beschwerdefreies Agieren in Schule und Beruf.

Ernährungstipps bei Regelschmerzen

Auch mit der richtigen Ernährung können Sie die Menstruationsschmerzen verringern. In der PTA-Heute empfehlen die Experten, grundsätzlich auf leichte Kost zurückzugreifen und kleine Portionen zu bevorzugen. Auf diese Weise entsteht kein zusätzlicher Druck im Bauchraum. Gemüsegerichte, Salate, Fisch- und Eierspeisen sind ideal. Da viele Mädchen und Frauen während ihrer Periode unter Verstopfung leiden, fördern ballaststoffreiche Nahrungsmittel zusammen mit ausreichend Flüssigkeit die Verdauung. Auf fettreiche Speisen und Fast Food verzichten Sie in dieser Zeit am besten.

Hinweis: Neigt Ihr Körper dazu, vor der Menstruation viel Wasser einzulagern, sollten Sie Ihren Kochsalzkonsum reduzieren, denn dieses fördert die Bildung von Wassereinlagerungen (Ödemen).

Bei Milchprodukten und koffeinhaltigen Getränken herrschen unterschiedliche Erfahrungen: Die einen vertragen sie, die anderen nicht. Probieren Sie es für sich aus. Daneben empfehlen die Experten, auf magnesiumreiche Lebensmittel zurückzugreifen, da es krampflösend und somit schmerzlindernd wirkt. Nahrungsmittel aus vollem Korn, ungeschältem Reis, Sonnenblumenkerne, Sesam oder Nüsse sind reich an Magnesium. Auch viele Gemüse- und Obstsorten wie Fenchel, Kohlrabi, Bananen, Him- oder Brombeeren liefern den wertvollen Mineralstoff.

Quelle: Dr. Sabine Werner: Die Regel muss nicht schmerzhaft sein. Welche OTC-Präparate bei der Dysmenorrhö helfen. Deutsche Apotheker Zeitung, Heft 44, Oktober 2015, S.42-46.

| Von: Julia Schmdt/Dr. Sabine Werner/DAV; Bildrechte: Jack Frog/Shutterstock
Übelkeit und Erbrechen? Pflanzliche und homöopathische Mittel spielen diesen Beschwerden übel mit.

Natürliche Hilfe bei Übelkeit

Gute Tipps gegen üble Beschwerden

Gefühle von Übelkeit, Ekel und Erbrechen – auch wenn die Ursache meist harmloser Natur ist, ersehnt sich jeder das Ende des unangenehmen Zustandes. Wie Sie leichte Beschwerden mithilfe von Phytotherapie und Homöopathie lindern.

Übelkeit und Erbrechen treten als Begleitsymptome verschiedener Beschwerden oder Erkrankungen auf. Die Ursachen sind vielseitig: Nach dem Verzehren unverträglicher Nahrungsmittel beispielsweise leitet der Verdauungstrakt Signale an das Brechzentrum im Gehirn, welches den Vorgang des Erbrechens auslöst. Auch Magenschleimhautentzündungen oder eine Arzneimitteltherapie können für Übelkeit oder Erbrechen sorgen. Daneben sendet das Gleichgewichtszentrum im Ohr entsprechende Signale, beispielsweise wenn Kinder auf Reisen ungewohnten Bewegungen ausgesetzt sind. Auch bei Kopfverletzungen oder unbekannten Gerüchen schicken bestimmte Gehirnregionen Impulse an das Brechzentrum.

Wann sind die Beschwerden ein Fall für den Arzt?

Liegt der Übelkeit oder dem Erbrechen eine Erkrankung oder eine Verletzung zugrunde, ist von einer Selbstbehandlung abzuraten. Stattdessen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Dies gilt ebenso, wenn die Symptome mit hohem Fieber, Schmerzen im Bauchbereich, kolikartigen Krämpfen oder Blut im Stuhl einhergehen. Dauern die Beschwerden länger als drei Tage oder ist das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigt, gehört die Therapie ebenfalls in die Hände eines Arztes. Darüber hinaus sollte akutes Erbrechen bei Kleinkindern, Säuglingen oder Schwangeren ohne eindeutige Ursache wie eine Autofahrt, ärztlich abgeklärt werden.

Homöopathie und Phytotherapie bei leichten Beschwerden

Die Apothekerin Julia Borsch stellt in der Deutschen ApothekerZeitung ausgewählte Mittel vor. Denn leichte Beschwerden und einfache Magenschleimhautentzündungen seien mit Mitteln der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Homöopathie gut zu behandeln. Es gilt jedoch zu bedenken, dass es sich bei der Homöopathie um keine evidenzbasierte Medizin handelt.

Ingwer – traditionell bewährt

Aufgrund seiner Anti-Brechreiz-Wirkung (antiemetische Wirkung) ist Ingwer bei der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden Mittel der Wahl. Auch bei Übelkeit und Erbrechen, die während des Reisens auftreten, wird die Pflanze gerne vorbeugend eingesetzt. Neben ihrer antiemetischen Wirkung regt sie die Darmbewegungen sowie das Produzieren und Absondern von Magensaft und Speichel an.

Verwenden Sie für eine Einzeldosis 2 g frisch gepulverte Droge und nehmen Sie diese mit etwas Flüssigkeit ein. Die Apothekerin Borsch empfiehlt eine maximale Tagesdosis von 4g. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Die Datenlage zur Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit wird jedoch kontrovers diskutiert. Eine Selbstmedikation mit Ingwer sollten Schwangere und stillende Mütter deshalb im Vorfeld unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Apotheker absprechen.

Pflanzliches Kombinationspräparat Iberogast®

Neben Einzelpräparaten stehen zur Selbstmedikation Kombinationspräparate zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zur Verfügung. Die Apothekerin empfiehlt das Präparat Iberogast®. Es enthält alkoholische Auszüge aus acht Drogen der Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Pfefferminzblättern, Schöllkraut und Süßholzwurzel sowie eines frischen Exemplars der Bitteren Schleifenblume. Die Einnahme erfolgt dreimal täglich zu den Mahlzeiten, wobei die Dosis altersabhängig ist. Genaue Angaben finden Sie auf der Packungsbeilage. Als einzige Nebenwirkungen sind Überempfindlichkeitsreaktionen bekannt, die jedoch selten auftreten. Für Kinder unter drei Jahren ist Iberogast® nicht geeignet. Werdende und stillende Mütter sollten das Pflanzenheilmittel nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt und Apotheker anwenden.

Homöopathische Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen

Neben pflanzlichen Präparaten stellt die Apothekerin verschiedene homöopathische Mittel zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen vor. Nux vomica D6 eignet sich für Patienten, die unter unterschiedlichen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wie Sodbrennen, krampfartigen Bauchschmerzen, Blähungen oder Verstopfungen leiden. Darüber hinaus sei es als wirksames Mittel gegen morgendliches Erbrechen, Magenschmerzen nach dem Essen oder Übelkeit bekannt. Diese Beschwerden lassen sich unter anderem auf eine fettreiche Ernährung zurückführen, die neben Kaffee auch öfters vermehrten Alkoholkonsum einschließt.Trotz der Beschwerden falle den Betroffenen ein Verzicht auf die Ernährungsweise und Genussmittel wie Tabak schwer. Kopfweh, Völlegefühl und Aufstoßen treten zusätzlich zu den Magen-Darm-Beschwerden auf. Die Symptome sind generell morgens am stärksten. Nux vomica eignet sich deshalb ebenfalls gut als Katermittel am Morgen.

Mit Bezug auf das „Homöopathische Repetitorium: Arzneimittellehre für die tägliche Praxis“ der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) ist das Mittel bei akuten Beschwerden alle 30 bis 60 Minuten zu geben, bis eine Besserung eintritt. Die Gabe richtet sich je nach Alter des Betroffenen:

  • Säuglinge bis zu einem Alter von einem Jahr 1 - 2 Globuli
  • Kleinkinder 3 Globuli
  • Schulkinder und Erwachsene nehmen 5 Globuli oder 5 Tropfen oder eine Tablette.

Darüber hinaus eignen sich Arsenicum album D12 oder Veratrum album D6 gegen Erbrechen. Alternativ zu Nux vomica können Betroffene Ignatia D12 gegen Übelkeit einnehmen. Pulsatilla D6 hilft sowohl gegen Erbrechen als auch gegen Übelkeit.

Nach Erbrechen Elektrolytverlust ausgleichen

Durch dem Erbrechen verliert der Organismus Flüssigkeit und Elektrolyte, wie spezielle Eiweiße und Mineralstoffe. Um den Mangel wieder auszugleichen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Getränke aus Traubenzucker (Glucose) und Salzen wie Kochsalz, Natriumcitrat und Kaliumchlorid. Die Glukose ermöglicht es dem Darm, die verlorenen Salze und Flüssigkeit wieder aufzunehmen.

Quellen:

Julia Borsch: Nicht übel. Antiemetika in der Selbstmedikation. Deutsche Apotheker Zeitung, Heft 44, Oktober 2014, S.34-38.

Dr. med. Marakus Wiesenauer, Annette Kerckhoff: Homöopathie für die ganze Familie. 10. ergänzte Auflage. Stuttgart: S. Hirzel Verlag 2010.

Deutsche Homöopathie-Union Karlsruhe vom 4.2.2016

Nordstadt-Apotheke  vom 4.2.2016

| Von: Julia Schmidt/Julia Borsch/DAV; Bildrechte: wavebreakmedia/Shutterstock
Bei Halsschmerzen viel Trinken - am besten Kräuertee.

Hilfe bei Halsschmerzen

Halsschmerzen einfach weglutschen?

Lutschtabletten sind ein beliebtes Mittel gegen Halsschmerzen. Doch bei ihren Wirkstoffen gibt es große Unterschiede. Wann Tabletten geeignet sind, erfahren Sie hier. 

Halsschmerzen dauern im Mittel 3 bis 5 Tage – innerhalb dieser Zeit heilen sie von selbst. Lutschtabletten verkürzen die Heilungsdauer nicht, lindern jedoch die Beschwerden während der Erkrankungszeit. Um die schmerzhaften Tage besser zu überstehen, sind verschiedene Lutschtabletten auf dem Markt. Sie wirken je nach Wirkstoff unterschiedlich, etwa keimreduzierend, bakterienhemmend, betäubend oder schmerzlindernd. Auch Kombinationen aus mehreren Substanzen kommen zum Einsatz. Für die Auswahl der Lutschtabletten ist unter anderem entscheidend, ob die Ursache der Halsschmerzen eine virusbedingte Erkältung ist oder ob eine bakterielle Infektion besteht.

Tipp: Lassen Sie bei schweren oder anhaltenden Halsschmerzen einen Arzt diagnostizieren, ob eine virale oder bakterielle Infektion zugrunde liegt. Danach richtet sich die Therapie.

Antibiotika

Gegen bakterielle Entzündungen der Rachenschleimhaut können Lutschtabletten mit dem Antibiotikum Tyrothricin eingesetzt werden. In Deutschland werden sie unter den Handelsnamen Dorithricin® und Lemocin® vertrieben. Gelutscht wirkt das Antibiotikum ausschließlich lokal im Rachenraum. Wird die Tablette verschluckt, inaktiviert die Magensalzsäure den Wirkstoff, sodass dieser nicht vom Körper aufgenommen wird. Laut einer Studie sind lindernde Effekte vor allem bei einem Wirkstoffgehalt von mindestens 4 mg pro Tablette zu erwarten. Bei geringerer Dosierung ist die Wirksamkeit nicht gesichert.

Tipp: Achten Sie auf den Wirkstoffgehalt, wenn Sie auf antibiotikahaltige Lutschtabletten nicht verzichten wollen.

Lokalantiseptika

Antiseptika verringern die Keimzahl. Man unterscheidet antiseptische Lutschtabletten auf der Basis von Ammoniumverbindungen, zum Beispiel Dobendan Strepsils Mint®, von jenen auf Alkohol-Basis, wie neo-angin®. Ihre Wirkung scheint gegen Bakterien besser zu sein als gegen Viren. Als Einschränkung ist generell zu bedenken: Antiseptika wirken nur an der Oberfläche, während sich die Infektion vor allem im tieferen Gewebe abspielt. Der Nutzen antiseptischer Lutschtabletten wird deshalb in Frage gestellt.

Lokalanästhetika

Lokalanästhetika betäuben den Schmerz, indem sie die Natriumkanäle in den Nervenfasern blockieren und so die Weiterleitung des Schmerzreizes unterbinden. Zu den Wirkstoffen zählen Ambroxol (zum Beispiel Mucoangin®), Lidocain (zum Beispiel Trachilid®) und Benzocain (zum Beispiel Lemocin Forte®). Lidocain und Benzocain wird ein erhöhtes Allergiepotential nachgesagt. Ihre Anwendung wird besonders bei Kindern kritisch gesehen. Ambroxol gilt als gut verträglich. Bei einer Dosierung von 20 mg konnte in Studien eine Schmerzlinderung nachgewiesen werden.

Benzydamin

2013 wurde der Wirkstoff Benzydamin aus der Verschreibungspflicht entlassen und ist in Form von Gurgellösungen, Spray oder Lutschtabletten erhältlich, zum Beispiel in Tantum Verde®. Die schmerzlindernde Wirkung von Benzydamin hält etwa 90 Minuten an. Dieser Effekt ist jedoch abzuwiegen gegen die vergleichsweise häufigen Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Bei Überdosierung scheint Benzydamin eine halluzinogene Wirkung zu haben.

Tipp: Wiegen Sie Nutzen und Risiko ab. Möglicherweise gibt es einen sanfteren Weg, die Halsschmerzen zu lindern. Ihre Apotheke bietet pflanzliche Mittel und Arznei-Tees zur Linderung.

Was empfiehlt die ärztliche Leitlinie?

In der Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM-Leitlinie) zum Thema Halsschmerzen heißt es: „Die Anwendung von Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachensprays mit Lokalantiseptika und/der Lokalanästhetika oder Antibiotika wird nicht empfohlen (S. 58).“ Begründet wird dies mit einer nicht ausreichend bewiesenen Wirksamkeit. Ein Nutzennachweis durch randomisierte, kontrollierte Studien fehle, so die Experten. Bei Kindern sei zudem der Alkoholanteil einiger Präparate zu bedenken. Über Risiken und Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit gäbe es keine Erkenntnisse. Lediglich für Ambroxol spricht die Leitlinie eine eingeschränkte Empfehlung aus.

Tipp: Achten Sie auf den Alkoholgehalt. Alkoholische Extrakte sollten bei Kindern unter einem Jahr und alkoholkranken Patienten nicht verwendet werden.

Bei ausgeprägtem Behandlungswunsch empfiehlt die Leitlinie den kurzzeitigen Einsatz systemischer Schmerzmittel, wie Paracetamol oder Ibuprofen. Einzelgaben lindern Halsschmerzen für mehrere Stunden. Die Verträglichkeit beider Substanzen ist bei kurzfristiger Anwendung gut.

Hinweis: Beachten Sie die Anwendungsbeschränkungen bei Schmerzmitteln. Ihr Apotheker berät Sie hierzu persönlich.

Tipps für die Selbsthilfe

Wer die Arzneimitteltherapie unterstützen oder ganz auf Medikamente verzichten möchte, kann es mit Hausmitteln und bestimmten Verhaltensweisen versuchen. Testen Sie aus, was Ihnen hilft. Persönliche Erfahrungen und Vorlieben können und sollen berücksichtigt werden:

  • Trinken Sie viel, um die Rachenschleimhaut zu befeuchten.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen, um die Schleimhaut nicht zusätzlich zu reizen.
  • Gurgeln Sie mit Salzwasser (¼ Teelöffel Salz in einem Glas auflösen) oder Tee mit entzündungshemmenden Kräutern, zum Beispiel Salbei- oder Kamillentee.
  • Legen Sie einen Halswickel an. Eine kühle Anwendung, auch als Quark- oder Zitronenwickel, empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen. Warme Wickel, zum Beispiel als Kartoffel-oder Zwiebelwickel, werden zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Wie Sie Halswickel herstellen, lesen Sie im Beitrag Halswickel.
  • Bevorzugen Sie weiche und breiige Nahrungsmittel wie Suppen oder Kartoffelbrei, um das Schlucken zu erleichtern.
  • Kinder freuen sich über ein Eis, da die Kälte kurzzeitig Schmerzen lindert.

Quellen:

J. Borsch: Wenn der Hals kratzt – Antiseptika, Antibiotika, Lokalanästhethika und Analgetika in Halsschmerzentabletten. In: Deutsche Apotheker Zeitung, 153. Jahrgang, Heft Nr. 51, S. 50-53, 19.12.13
 
DEGAM-Leitlinie Nr. 14 Halsschmerzen (Stand Oktober 2009)

| Von: Sandra Göbel; Bildrechte: Syda Productions/Shutterstock
Gegen Husten ist ein Kraut gewachsen. Ihr Apotheker berät Sie zu pflanzlichen Mitteln und Tee.

Pflanzliche Mittel bei Husten

Wie Sie den Hustenreiz stillen

Gegen Husten steht eine Vielzahl an pflanzlichen Mitteln und Heilpflanzentees bereit. Sie lindern wirksam die Beschwerden und sind für die Selbstanwendung optimal geeignet. Tipps und Rezepte für die Eigenbehandlung bei Husten.

Thymian

Thymian peppt nicht nur als Gewürz fade Speisen auf. Seine ätherischen Öle Thymol und Carvacrol wirken antibakteriell, schleim- und krampflösend. Thymian gilt deshalb als bewährtes Mittel bei Erkältung mit zähem Schleim und bei akuter Bronchitis. Arzneilich verwendet werden der Echte Thymian (Thymus vulgaris) und der Spanische Thymian (Thymus zygis). Fertigpräparate aus Thymiankraut werden zum Schlucken oder Lutschen angeboten – als Hustensaft, Tropfen oder Pastillen. Monopräparate wie Aspecton®, Gelobronchial® oder Soledum® enthalten als Wirkstoff ausschließlich Thymiankraut. Daneben ist Thymian in einer Vielzahl von pflanzlichen Kombi-Präparaten enthalten, zum Beispiel in Bronchipret®, Bronchicum® oder Broncholitan®.

Tipp: Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, welches Präparat für Ihr Beschwerdebild am besten geeignet ist.

Teezubereitung

In Form von Tee lindert Thymian effektiv den Husten. Die Herstellung einer hochwertigen Zubereitung ist ganz einfach: Übergießen Sie 2 Teelöffel getrocknete Droge mit 250 ml siedendem Wasser. Decken Sie das Gefäß zu und lassen Sie die Flüssigkeit 10 bis 15 Minuten ziehen. Anschließend seihen Sie die Drogen mithilfe eines Siebs ab. Den Tee warm trinken.

Tipp: Bei akutem Husten eignen sich Tees und Teemischungen auch hervorragend zum Gurgeln, als Mundspüllösung oder für Inhalationen. Möchten Sie Thymiantee inhalieren, geben Sie 2 Esslöffel Droge in einen Topf und übergießen die Droge mit 500-1000 ml kochendem Wasser.

Spitzwegerich

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) enthält größere Mengen an Schleimstoffen, die antibakteriell und reizlindernd wirken. Der Pflanzenschleim bildet mit Wasser eine zähe Lösung, die sich auf die gereizten Schleimhäute legt und damit deren Oberfläche schützt. Hustenreiz klingt dadurch ab. Bewehrte Anwendungsgebiete sind Katarrhe (Schleimhautentzündungen) der Luftwege sowie Entzündungen im Mund und Rachen. Fertigarzneimittel aus getrockneten Spitzwegerichblättern sind in Form von Säften und Pastillen erhältlich, etwa Broncholind® oder Broncho Sern®.

Hustensaft

Hustensaft aus Spitzwegerich können Sie als Fertigarzneimittel kaufen oder selbst herstellen. Zerreiben Sie dazu 2 Esslöffel Spitzwegerichblätter in einer Schale zu einer sehr feinen Konsistenz. Geben Sie 4 Esslöffel Wasser hinzu und bringen Sie das Gemisch langsam zum Sieden. Geben Sie Bienenhonig hinzu bis ein Sirup entsteht. Nehmen Sie jede Stunde einen Teelöffel des Sirups ein.

Hinweis: Wegen des Zuckergehalts ist der Sirup nicht für Menschen mit Diabetes geeignet.

Teezubereitung

Auch für Teezubereitungen kommen die getrockneten Blätter zum Einsatz. Um einen Tee herzustellen, übergießen Sie 2 Teelöffel Spitzwegerichblätter mit 250 ml kochendem Wasser und lassen Sie es 10 Minuten lang ziehen. Seihen Sie die Droge anschließend ab. Damit der Tee weniger bitter schmeckt, können Sie einen Löffel Honig hinzugeben. Empfehlenswert sind 2-3 Tassen Tee pro Tag.

Tipp: Ersetzen Sie einen der beiden Teelöffel Spitzwegerich durch Kamillenblüten. So können Sie die entzündungshemmende Eigenschaft der Kamille optimal mit dem hustenstillenden Effekt des Spitzwegerichs kombinieren, besonders gut bei Erkältungshusten.

Eibisch

Die Wurzeln des Eibisch (Althaea officinalis) sind sehr schleimhaltig, da sie einen hohen Gehalt an Mehrfachzucker und Ballaststoffen aufweisen. Diese Schleimstoffe bilden nach dem Schlucken einen schützenden Film im Hals und Rachen – der Hustenreiz nimmt dadurch ab. Geeignet ist Eibisch vor allem bei trockenem Reizhusten im Rahmen von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenbereich. Eibischwurzel wird in Teemischungen, in Kombination mit anderen Arzneimitteln oder als Monopräparat angeboten, zum Beispiel in Phytohustill®.

Teezubereitung

Eibischtee wird als Kaltauszug hergestellt, da der Tee andernfalls zu zähflüssig wäre. Übergießen Sie einen Löffel voll Droge mit kaltem Wasser. Lassen Sie das Gemisch für zwei Stunden stehen und rühren Sie es gelegentlich um. Anschließend den Auszug kurz bis zum Sieden erhitzen und wieder abkühlen lassen. Vor dem Trinken durch ein Teesieb geben. Sie können bis zu 3 Tassen täglich trinken.

Tee mit hochwertiger Qualität verwenden

Damit die gewünschte Wirkung eines Hustentees eintritt, ist eine besondere Qualität und Konzentration der pflanzlichen Inhaltsstoffe nötig. Dies ist nur bei Arznei-Tees aus der Apotheke gewährleistet. Denn diese durchlaufen ein Zulassungsverfahren, bei dem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ihre Wirksamkeit und Sicherheit prüft. Hochwertige Produkte sind zudem in luftundurchlässigen Kunststoff- oder Aluverpackungen verschlossen, damit die wertvollen Inhaltsstoffe nicht entweichen.
Tipp: Lassen Sie sich in der Apotheke einen Arzneitee entsprechend ihres Beschwerdebildes mischen.

Bei festsitzendem Schleim empfiehlt sich folgende Mischung:

  • 20 g Spitzwegerich
  • 20 g Wollblumen
  • 10 g Schlüsselblumenwurzel
  • 10 g Fenchelfrüchte

Brühen Sie 2 gehäufte Teelöffel der Teemischung mit 250 ml siedendem Waser auf. 10 Minuten lang ziehen lassen. Trinken Sie täglich 2-5 Tassen.

Tee richtig lagern

Tees und getrocknete Pflanzenteile lagern Sie zu Hause am besten vor Licht geschützt, kühl und trocken, da sonst die wertvollen Inhaltstoffe schnell verloren gehen. Ideal sind braun getönte, fest verschließbare Glasbehälter oder Weißblechdosen. Gut gelagert können Sie Tee bis zu einem Jahr ohne Wirkungsverlust aufbewahren.

Grenzen der Selbstbehandlung

Bei jeder Selbstmedikation gibt es Grenzen. Treten zusätzlich zum Husten hohes Fieber oder starke Schmerzen auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das gilt ebenso für den Fall, wenn sich die Beschwerden trotz der Selbstbehandlung nicht innerhalb weniger Tage bessern oder gar neue Beschwerden hinzukommen. Vorsicht ist grundsätzlich bei Schwangerschaft, Stillzeit und chronischen Erkrankungen sowie bei der Behandlung von Kindern geboten – selbst bei pflanzlichen Mitteln. Bei allen Fragen zur Arzneimittelanwendung bietet Ihnen Ihr Apotheker eine kompetente Beratung!

Quelle:

Mannfried Pahlow: Heilkräuter-Tees. Meine besten Rezepte. S. Hirzel Verlag Stuttgart.

A. Lüdecke: Pflanzen gegen Husten. Phytopharmaka helfen bei produktivem und trockenem Husten. In: Deutsche Apotheker Zeitung, 153. Jahrgang, Nr. 49, vom 5.12.13, S. 72-86.

| Von: Sandra Göbel; Bildrechte: racorn/Shutterstock