Ratgeber

Beschwerden des Reizdarms können die Lebensqualität deutlich beeiträchtigen.

Pflanzliche Hilfe gegen Reizdarm

Mit Heilpflanzen Beschwerden lindern

An einem Reizdarmsyndrom leiden 15 Prozent der Bevölkerung. Die Beschwerden sind zwar gesundheitlich unbedenklich, beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen jedoch teilweise erheblich. Diese pflanzlichen Mittel lindern die Beschwerden.

Unter einem Reizdarm versteht man eine funktionelle Darmstörung, bei denen keine organischen Ursachen erkennbar sind. Das Syndrom äußert sich durch diffuse Bauchschmerzen, Druckgefühl im Bauchbereich, Völlegefühl und rumorende Darmgeräusche. Darüber hinaus weicht die Häufigkeit der Stuhlentleerungen deutlich von der üblichen ab. Auch die Beschaffenheit des Stuhls variiert.

Organische Ursachen müssen abgeklärt werden

Leiden Betroffene unter Verdauungsbeschwerden, sollten sie ihren Hausarzt aufsuchen. Bevor Fertigarzneimittel pflanzlicher Herkunft (Phytopharmaka) gegen ein Reizdarmsyndrom eingenommen werden, muss der behandelnde Arzt organische Ursachen ausgeschlossen haben. Diagnostiziert der Arzt einen Reizdarm und verordnet eine Therapie, sollten Sie sich zuerst an die schulmedizinischen Anweisungen halten. Phytopharmaka können diese Behandlung nicht ersetzen, aber unterstützen. Kristina Jenett-Siems, Doktorin für Pharmazeutische Biologie, gibt in der „Deutschen Apotheker Zeitung“ Hinweise, wie Betroffene ihre Beschwerden mit pflanzlichen Arzneimitteln lindern.

Flohsamen und Flohschalen

Flohsamen und -schalen sind wirksame und effektive Mittel gegen das Reizdarmsyndrom. Meist sind sie im Handel unter dem Namen Plantago ovata – Indische Flohsamen, lose oder als Fertigarzneimittel erhältlich. Sie enthalten 30 Prozent Schleimstoffe, die sich hauptsächlich in der Samenschale befinden. Dank ihrer Eigenschaft aufzuquellen, wirken sie einerseits abführend und erleichtern so den Stuhlgang. Andererseits binden sie Wasser und beugen so Durchfall vor. Darüber hinaus binden sie giftige Substanzen.

Bei der Anwendung trockener Flohsamen droht ein Darmverschluss. Nehmen Sie die Flohsamen oder -schalen deshalb immer in aufgeschwemmter Form ein. Anschließend spülen Sie mit einem Glas Wasser nach. Die Anwendung ist für Schwangere und Stillende unbedenklich. Kinder unter 12 Jahren sowie Personen mit schwer einstellbarem Diabetes sollten von dieser Behandlung jedoch absehen. Wundern Sie sich nicht, falls am Anfang der Behandlung vermehrt Blähungen auftreten. Beginnen Sie in diesem Fall mit einer niedrigeren Dosis. Die mittlere Tagesdosis beträgt für Indische Flohsamen 12 bis 40 g und für Schalen 4 bis 20 g. Andere Medikamente werden in einem halb- bis einstündigem Abstand eingenommen.

Ein Hinweis für Diabetes-Patienten: Besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker, da die Insulindosis eventuell angepasst werden muss.

Kümmel- und Pfefferminzöl

Leiden Betroffene vor allem an Schmerzen, Blähungen und Gasabgängen, rät Jenett-Siems pflanzliche Mittel wie Kümmel- oder Pfefferminzöl. Die Monopräparate erhalten Sie in Form von Tropfen oder Kapseln in Ihrer Apotheke. Auch Kombinationspräparate der zwei Heilpflanzen empfiehlt die Pharmazeutische Biologin. Bei einer Einnahme von zweimal einer Kapsel am Tag belegen kleinere Studien die Wirksamkeit solcher Kombinationspräparate. Diese Phytopharmaka können Schwangere und Stillende unbesorgt anwenden. Für Kinder unter 12 Jahren sind sie jedoch nicht geeignet.

Kombinationspräparate mit bitterer Schleifenblume

Eine weitere Möglichkeit zur phytopharmazeutischen Behandlung des Reizdarmsyndroms sind Kombinationspräparate mit der bitteren Schleifenblume. Jenett-Siems empfiehlt vor allem Mittel, die neben dem alkoholischen Frischpflanzenextrakt der bitteren Schleifenblume alkoholische Drogenauszüge von Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Melissenblättern, Mariendistelfrüchten, Pfefferminzblättern, Schöllkraut und Süßholzwurzel enthalten. Die Bestandteile regen die Magenbewegungen an und wirken entzündungshemmend und krampflösend.

Die genaue Dosis variiert mit Art des Präparats. Lassen Sie sich hierzu in Ihrer Apotheke beraten. Aufgrund des Alkoholgehalts sollten sich Stillende und Schwangere bei Ihrem Apotheker nach einer Alternative erkundigen. Aus dem gleichen Grund sollten Eltern die Anwendung bei ihren Kindern vorab mit ihrem Arzt und Apotheker besprechen.

Quelle: Dr. Kristina Jenett-Siems: Mit Phytopharmaka gegen Reizdarm. In: Deutsche ApothekerZeitung, Heft 41, Oktober 2015, S. 34f.

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Die Ursachen von Haarverlust sind vielseitig.

Problem Haarausfall

Hilfe für Männer und Frauen

Haare im Waschbecken, am Kamm oder in der Suppe? Während ein bestimmtes Maß an Haarverlust natürlich ist, leiden einige Männer und Frauen unter chronischem Haarausfall. Lesen Sie hier über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Dicke oder dünne, glatte oder gewellte, krauses oder gelocktes Haar – Haartypen gibt es viele. Allen gemeinsam ist, dass der Träger der Haarpracht durch den natürlichen Haarzyklus täglich etwa 50 bis 100 Haare verliert. Je nach Pflegegewohnheiten variiert die Zahl: Bei täglicher Haarwäsche fallen konstant viele Haare aus. Werden die Haare hingegen ein- oder zweimal in der Woche gewaschen, fallen an diesen Tagen etwas mehr Haare aus, an den übrigen verhältnismäßig weniger. Welche Formen von Haarausfall es gibt und wie Betroffene sie selbst behandeln, erläutert die Pharmazeutin Dr. Sabine Werner in der Deutschen Apothekerzeitung.

Ursachen von Haarausfall

Generell liegt die Ursache von Haarausfall in der Vergangenheit. Unterschiedliche Faktoren können die Wachstumsphasen der Haarfollikel zeitlich zusammenführen. Unter einem Haarfollikel versteht man das Haarbalg, in dem das Haar gebildet wird und das dieses in der Kopfhaut verankert. Veränderungen im Hormonhaushalt wie in der Pubertät, beim Wechsel des Verhütungsmittels oder in den Wechseljahren führen dazu, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Haare als sonst ausfallen. Auch die kurzfristige Einnahme bestimmter Arzneimittel sowie emotionaler Stress, Diäten oder Fieber führen zu diesem Effekt. Da die Follikel in diesen Fällen nicht geschädigt sind, pendelt sich der Haarausfall nach einigen Wochen wieder ein.

Ursachen der chronischen Alopezie

Leiden Männer und Frauen länger als sechs Monate unter starkem Haarausfall, handelt es sich um chronischen Haarausfall (Alopezie). Ursachen dafür gibt es viele: Grunderkrankungen wie Funktionsstörungen der Schilddrüse, Pilzerkrankungen der Kopfhaut, Eisenmangel bei Frauen oder Syphilis und HIV können zu verstärktem Haarausfall führen. Auch Nebenwirkungen von langfristig eingenommenen Medikamenten lösen chronische Alopezie aus. In diesem Punkt gewinnen Sie Klarheit, indem Sie Ihren Apotheker zu den Nebenwirkungen Ihrer Medikamente befragen.

So unterschiedlich, wie die Ursachen sind, sind die Behandlungsmöglichkeiten. Leiden Sie länger als sechs Monate unter verstärktem Haarausfall, sollten Sie zur Differenzialdiagnose und Auswahl der Behandlungsform Ihren Arzt konsultieren.

Ursache der androgenetischen Alopezie

Häufigste Ursache einer Alopezie bei Männern und Frauen ist der genetisch bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie). Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit fortschreitendem Alter. Bis zum 70. Lebensjahr leiden 80 Prozent der Männer und bis zu 40 Prozent der Frauen unter verstärktem Haarausfall. Zum Ende der genetisch festgelegten Lebenszeit des Haarfollikels nimmt dessen Überempfindlichkeit gegenüber Androgenen zu. Dies gilt besonders für das Dihydrotestosteron (DHT). Dieses verkürzt den Wachstumsprozess der Haare, das Follikel verkümmert und die dünner werdenden Haare werden durch einen Flaum ersetzt. Schließlich entsteht eine Glatze. Die androgenetische Alopezie löst diesen Prozesses früher als natürlich vorgesehen aus.

Behandlungsmöglichkeit bei Männern

Das European Dermatology Forum (EDF) hat für die Therapie der androgenetischen Alopezie 2011 eine S3-Leitlinie zur Behandlung veröffentlicht. Als rezeptfreie Variante ist dabei der Arzneistoff Minoxidil Mittel der Wahl. Männer erhalten Minoxidil als 5-prozentige Lösung oder 5-prozentigen Schaum im Handel. Die Pharmazeutin empfiehlt zweimal täglich 1 Milliliter Lösung oder 1 Gramm Schaum auf die betroffenen Stellenaufzutragen. Die maximale Wirkung setzt nach einem halben Jahr ein. Wird die Behandlung abgebrochen, lässt die Wirkung sukzessive nach. Vor allem die Lösung führt zu Nebenwirkungen wie Juckreiz und Rötungen an den behandelten Stellen. Der reizende Nebeneffekt des Schaums ist weniger stark.

Achtung, nicht erschrecken: Durch das Anwenden von Minoxidil kommt es vier bis acht Wochen nach Behandlungsbeginn zu einem verstärkten Haarausfall, dem sogenannten Shedding: Grund dafür ist die stimulierende Wirkung auf die Haarfollikel, durch die die neu gebildeten Haare die bereits abgestorbenen aus dem Follikel drängen. Brechen Sie die Therapie vorher nicht ab! Der verstärkte Haarverlust ist ein Zeichen, dass Ihr Körper auf die Therapie anspricht.

Behandlungsmöglichkeiten bei Frauen

Das örtliche Anwenden von Minoxidil ist bei Frauen mit androgenetischer Alopezie die wirksamste Behandlungsmöglichkeit. Im Gegensatz zu Männern ist der Wirkstoff für Frauen in einer 2-prozentigen Form verfügbar. Schwangere und stillende Frauen sollten Minoxidil nicht anwenden. Bei Frauen dunklen Typs kann es zu einem verstärkten Haarwuchs im Gesichtsbereich kommen.
Neben der zu früh eingesetzten Überempfindlichkeit des Haarfollikels gegenüber DHT kann auch eine hormonelle Fehlregulation mit einem Überschuss an männlichen Hormonen (Hyperandrogenismus) Ursache der Alopezie bei Frauen sein: Symptome dafür sind verstärkter Haarwuchs an Stellen, die für Männer charakteristisch sind sowie Veränderungen im weiblichen Zyklus. Für die Behandlung mit rezeptfreien Mitteln stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Apotheker beraten, welches Mittel das für Sie geeignetste ist. Vor allem im Falle einer Schwangerschaft kommen nur bestimmte Wirkstoffe in Frage.

Die Behandlung kosmetisch unterstützen

Besonders bei Männern können beim Anwenden von Minoxidil Nebenwirkungen wie gereizte und gerötete Kopfhaut auftreten. Zum Vorbeugen eignen sich Harnstoff-haltige Shampoos. Begleiterkrankungen sind ebenfalls zu behandeln.

Achtung bei rezeptfreien Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln

Spurenelemente wie Zink, Selen oder Kupfer spielen beim Wachsen der Haare eine wichtige Rolle. Auch Kombinationspräparate mit Vitaminen wie Niacin, Biotin oder Pantothensäure, Aminosäuren oder mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Hirse-Extrakt wirken sich positiv auf das Haarwachstum aus. Männer und Frauen auf der Suche nach rezeptfreien Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln haben im Handel die Qual der Wahl. Ihre Wirksamkeit ist meist durch Studien nicht ausreichend belegt. Die Pharmazeutin Werner empfiehlt die Einnahme ausgewählter Präparate zur Begleitung der Behandlung von Haarausfall bei hohem Leidensdruck der Betroffenen.

Um hinsichtlich der Wirkung nicht enttäuscht zu werden, sollten Sie sich bei der genauen Wahl eines frei verkäuflichen Mittels gegen Haarausfall an Ihren Apotheker wenden. Nehmen Sie diese Präparate regelmäßig ein. Die Wirkung erfolgt nach zwei bis drei Monaten.


Quelle: Dr. Sabine Werner: Ein haariges Problem. Formen des Haarausfalls und Therapiemöglichkeiten. In: Deutsche ApothekerZeitung, Heft 22, Mai 2015, S. 38-42.

| Von: Julia Schmidt/Dr. Sabine Werner/ Deutsche ApothekerZeitung; Bildrechte: Goodluz/Shutterstock
Mit einem starken Immunsystem kommen sie gesund durch den Herbst.

Immunsystem natürlich stärken

Grippe und Erkältung zuvor kommen

Bald ist wieder Herbst: Zeit der bunten Blätter und laufenden Nasen. Wer anfällig für Erkältung und Grippe ist, sollte jetzt seine Abwehr stärken. Was Homöopathen und Naturheilkundler zur Stärkung des Immunsystems empfehlen, lesen Sie hier.

Camphora – Klassiker der Homöopathie

Um viralen Infekten im Herbst und im Winter vorzubeugen, bietet die Homöopathie als Klassiker Camphora, den Kapferbaum. Die homöopathischen Tropfen werden aus der Rinde gewonnen. Sie regen den Kreislauf an, indem sie auf die Muskulatur der Blutgefäße wirken. Dadurch verbessern sich Durchblutung und Abwehrkraft. Ein Stück Würfelzucker versüßt den bitteren Kapfergeschmack. Am besten nehmen Sie 1 Tropfen in der Potenzierung D1 oder drei Tropfen D3 morgens, bevor Sie das Haus verlassen.

Camphora eignet sich auch zur Infektabwehr, wenn sich die Erkältung bereits ankündigt, zum Beispiel durch Frösteln, Unwohlsein, häufiges Niesen oder erstes Husten. In diesem frühen Stadium einer Erkältung nehmen Sie viertelstündig drei Tropfen in Wasser ein. Häufig können Sie den Infekt dadurch abmildern. Lagern Sie Camphora separat von anderen Homöopathika. Denn der Kapferbaum übt eine starke Strahlung auf andere Arzneimittel aus und kann diese in ihrer Wirkung beeinträchtigen. Für Kleinkinder und Säuglinge ist Camphora nicht geeignet.

Echinacea  verstärkt den Grippeschutz

Wer sich von einer Grippe schützen will, setzt am besten auf die jährliche Grippeschutzimpfung. Mit Extrakt aus den Wurzeln von Echinacea angustifolia (roter Sonnenhut) können Sie den Impfschutz durch die Grippeimpfung verbessern. In einer aktuellen Studie schützte die Grippeimpfung in Kombination mit der Einnahme dieses Extrakts effektiver als die Impfung allein. Wissenschaftler vermuten, dass Echinacea die Immunoglobine (Antikörper) positiv beeinflusst und dadurch das Immunsystem stärkt.

Um einem fiebrigen Infekt vorzubeugen, können Sie Echinacea längerfristig einnehmen. Legen Sie nach jedem dreiwöchigen Anwendungszyklus eine einwöchige Pause ein. In der Regel wird eine Potenz von D2 empfohlen, 3mal täglich eine Gabe. Ihr Apotheker berät Sie hinsichtlich der optimalen Potenzierung. Echinacea ist auch für Kinder geeignet.

Entzündungen vorbeugen

Eine Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkorngetreide senkt das Risiko für Entzündungen. Auch die wärmende, anregende Wirkung von Ingwer ist bekannt, seine entzündungshemmende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Ingwertee bringt die Abwehr in Schwung. Waschen und Schälen Sie ein Stück Ingwer, schneiden Sie es anschließend in 6 dünne Scheiben. Geben Sie diese nun in eine große Tasse und übergießen sie den Ingwer mit kochendem Wasser. Den Ingwer zehn Minuten im Wasser ziehen lassen, anschließend herausfischen. Nach Belieben Zucker, Honig oder etwas Zitronensaft in den Tee geben.

Als Unterstützung: Abhärten mit Wasser

Die Wirkung der Homöophatika und Extrakte können Sie mit Wasseranwendungen unterstützen. Kneippsche Güsse (Wechselbäder) sollen – regelmäßig angewendet – abhärtend und stärkend wirken. Die wechselwarmen Anwendungen trainieren die Gefäßmuskulatur, regen die Durchblutung an und bewirken die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe des Immunsystems.  Achten Sie darauf, dass der Wechsel tatsächlich zwischen warm und kalt stattfindet, nicht zwischen heiß und kalt. Sonst ist die Wirkung verringert. Beenden Sie die Wechselbäder stets mit einer kalten Anwendung, damit sich die Gefäße wieder zusammen ziehen.

Frische Luft, Bewegung und ausreichend Schlaf verbessern das Allgemeinbefinden zusätzlich. Wer es langsam angehen will, kann es mit Spaziergängen an der frischen Luft versuchen. Nach ausreichender Bewegung schläft man in der Regel auch gut. Also werden Sie aktiv, um gesund zu bleiben!

| Von: Sandra Göbel; Bildrechte: Monkey Business Images/Shutterstock
Bei Kopflausverdacht die Haare mit einem Läusekamm auskämmen.

Was hilft gegen Kopfläuse?

Kopfläuse effektiv bekämpfen

Mit dem Ferienende beginnt die Reisezeit der Kopfläuse. Denn Kita und Schule bieten den Parasiten ideale Verbreitungsmöglichkeiten. Vorbeugen lässt sich einer Ansteckung kaum. Doch mit der richtigen Behandlung ist man die ungebetenen Gäste bald wieder los. Ein Überblick über Läusemittel und ihre Anwendung.

Kopfläuse sind blutsaugende Insekten, die eine Größe von bis zu 3,5 Millimetern erreichen. Eigentlich sind sie harmlos, denn Krankheiten übertragen sie hierzulande nicht. Allerdings können ihre Bisse jucken und Läuse rufen bei vielen Menschen Ekel oder Scham hervor. Doch entgegen des verbreiteten Vorurteils sind die Parasiten kein Anzeichen mangelnder Haarhygiene. Eher im Gegenteil: In den letzten Jahren deuteten mehrere Studien an, dass Läuse gewaschenes Haar bevorzugen.

Wie kommt die Laus auf den Kopf?

Auf dem Kopf fühlen sich Läuse am wohlsten, denn dort herrscht ihre Lieblingstemperatur von 28-32°C. Außerhalb des Kopfes überleben sie nur wenige Stunden bis zu zwei Tage, da sie kein Blut mehr saugen können und austrocknen. Von alten Hüten und Helmen geht deshalb keine Lausgefahr aus. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen von Kopf zu Kopf, etwa beim Umarmen oder Spielen mit engem Körperkontakt. Haustiere übertragen keine Kopfläuse. Eine Lausübertragung über Gegenstände wie Kämme oder Mützen ist selten, aber möglich, wenn diese innerhalb von zwei Tagen gemeinsam genutzt werden. Läuse bewegen sich lediglich durch Krabbeln fort. Von Kopf zu Kopf springen, wie ein Floh, kann die Laus dagegen nicht. Das ist auch nicht nötig. Denn einmal eingerichtet, findet sie vor Ort alles, was sie zum Leben braucht: Blut.

Anzeichen für Lausbefall

Alle zwei bis drei Stunden sticht die Laus ihr Mundwerkzeug in die Kopfhaut, um an den roten Saft zu kommen. Der Kopfhautbesitzer merkt davon nichts. Nur wenn die Wunde sich infiziert oder die Kopfhaut durch das Speicheldrüsensekret der Laus gereizt wird, stellt sich ein Juckreiz ein. Papeln (Knötchen) und Quaddeln (Bläschen) können sich an der Einstichstelle bilden, bevorzugt hinter den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken. Heftiges Kratzen fördert Krusten oder eine bakterielle Infektion. Juckreiz gilt als ein typisches Anzeichen für Lausbefall. Doch nur 14-36 Prozent der Betroffenen entwickeln ihn. Die Annahme ‚wer sich nicht juckt hat keine Läuse‘, gilt deshalb nicht.

Zuverlässige Diagnose mit dem Läusekamm

Wie lässt sich ein Lausbefall zuverlässig erkennen? Ein gründlicher Blick auf den Kopf gibt einen ersten Hinweis. Achten Sie auf gelbliche bis mittelbraune Läuseeier direkt am Haaransatz. Nach dem Schlüpfen haften die weißen, leeren Eierhüllen (Nissen) etwa einen Zentimeter entfernt von der Kopfhaut am Haar an. Die weißen, leeren Hüllen sind in der Regel deutlicher zu erkennen als die entwicklungsfähigen Eier, beweisen allerdings keinen aktiven Befall. Massenbefälle mit Läusen gibt es in Deutschland in der Regel nicht. Bei den meisten Betroffenen befinden sich weniger als zehn Läuse auf dem Kopf. So eine kleine Anzahl übersieht man leicht. Bei der optischen Inspektion werden deshalb rund 29 Prozent der Fälle bei Kindern übersehen.

Um zuverlässig zu testen, ob ein Lausbefall vorliegt, sollten Sie die Haare feucht Auskämmen. Tragen Sie dazu auf das nasse Haar eine handelsübliche Pflegespülung auf. Diese nicht ausspülen! Teilen Sie dann das Haar mit einem normalen Kamm in einzelne Strähnen auf. Ziehen Sie anschließend einen Läusekamm systematisch durch jede Strähne hindurch, jeweils von der Kopfhaut bis zur Spitze. Der Läusekamm hat parallele Zinken mit einem besonders engen Abstand von 0,2 Millimetern, sodass Läuse und Nissen daran haften bleiben. Streichen Sie nach jedem Zug, die am Kamm anhaftenden Reste der Pflegespülung, an einem weißen Tuch oder Küchenpapier ab. Auf dem weißen Untergrund können Sie Kopfläuse gut erkennen. Falls ein Lausbefall vorliegt, haben Sie praktischerweise die ersten Läuse direkt beim Auskämmen entfernt!

Wenn die Diagnose steht, informieren Sie als Erstes den Kindergarten oder die Schule sowie die Freunde des Kindes. Denn die Läusebehandlung ist eine Gemeinschaftsangelegenheit.

Läusemittel: Qual der Wahl

Neben dem Läusekamm gibt es verschiedene Medizinprodukte für die Läusebekämpfung, etwa Shampoos, Lösungen, Öle oder Sprays. Sie werden örtlich angewendet. Ihre Einwirkzeit ist je nach Produkt verschieden. Um die Wirkung zu gewährleisten, sollten Sie sich genau an die Anwendungshinweise des Produkts halten. Gerne empfiehlt Ihnen Ihr Apotheker ein geeignetes Produkt und berät Sie zur korrekten Anwendung. Viele der Läusemittel werden bis zum vollendeten 12. Lebensjahr von der Krankenkasse erstattet, bei Entwicklungsstörungen des betroffenen Kindes sogar bis zum 18. Lebensjahr. Grundsätzlich unterscheidet man die Gruppe der Insektizide von den physikalisch wirkenden Mitteln und den pflanzlichen Wirkstoffen. 

  • Neurotoxische Insektizide greifen das Nervensystem der Läuse an. Sie vernichten Läuse und ihre Larven zuverlässig, sind jedoch umstritten, da sie die Haut reizen können. Zudem können Läuse gegen die Insektizide Resistenzen entwickeln, sodass die Mittel nicht mehr wirken.
  • Physikalisch wirkenden Mittel verkleben die Atemöffnungen der Läuse und führen dazu, dass die Läuse ersticken. Richtig angewendet wirken sie sehr zuverlässig und sind aufgrund ihrer besseren Verträglichkeit eine gute Alternative zu den neurotoxischen Insektiziden. Darüber hinaus drohen bei physikalisch wirkenden Mitteln keine Resistenzen. Viele Präparate, die als Wirkstoff Dimeticone enthalten, sind jedoch leicht entflammbar. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass sie die Haare während der Einwirkzeit von Zündquellen wie Zigaretten oder Föhne fernhalten.
  • Viele pflanzliche Produkte setzen dagegen auf ätherische Öle, wie Kokosöl oder Anisöl. Sie haben unterschiedliche Wirkmechanismen. Die Wirksamkeit der pflanzlichen Produkte ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt. In Einzelfällen können sie die Haut reizen oder Allergien hervorrufen.

Wiederholung der Behandlung: Welche Abstände werden empfohlen?

Das Timing ist entscheidend – was für vieles im Leben gilt, gilt auch für die Läusebekämpfung. Denn es kommt darauf an, alle geschlüpften Larven zu erwischen. Mit einer einzelnen Behandlung können Sie das in der Regel nicht erreichen. Setzen Sie deshalb auf Wiederholung. Wer grundsätzlich auf „Chemie“ verzichten möchte, kann das Auskämmen mit dem Läusekamm als alleinige Behandlungsmethode wählen. Verdünnte Säuren (ca. 15 ml Essig pro Liter Wasser) verbessern die Kämmbarkeit des Haares. Erfolgsversprechender ist jedoch eine Kombination aus Auskämmen und örtlich anzuwendenden Medizinprodukten, wie Shampoos oder Lösungen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt das folgende Behandlungsschema:

  • Tag 1: Mit einem Medizinprodukt örtlich behandeln und anschließend die Haare nass mit einem Läusekamm auskämmen.
  • Tag 5: Die Haare nass mit einem Läusekamm auskämmen, um die erste Generation an neu geschlüpften Larven zu entfernen.
  • Tag 9: Mit einem Medizinprodukt örtlich behandeln, um die zweite Generation an Larven zu entfernen.
  • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen.
  • Tag 17: Eventuell letzte Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen – vor allem, wenn Sie in der Woche vorher noch vereinzelt Läuse oder Eier gefunden haben.

Schlägt die Läusebehandlung nicht an oder entzündet sich die Kopfhaut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch nach erfolgter Behandlung ist es ratsam, die Kopfhaut jeden Tag auf Lausbefall zu inspizieren, um „Behandlungsversager“ und Wiederansteckung möglichst früh zu entdecken – zumindest solange, bis die Epidemie im Kindergarten oder in der Schule abgeklungen ist.

Quelle: Schlenger, Ralf: Lausige Zeiten. Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 35. 155. Jahrgang, S. 46-52

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