Ratgeber

Heilpflanzen wirken der Unausgeglichenheit in den Wechseljahren entgegen.

Heilpflanzen bei Unausgeglichenheit

Beschwerden in Wechseljahren lindern

Gereizt, nervös und depressiv verstimmt? Psychische Beschwerden machen Frauen in den Wechseljahren zu schaffen. Doch gegen die Unausgeglichenheit sind Kräuter gewachsen. Welche das sind und wie Sie sie anwenden, erfahren Sie hier.

Nach der Pubertät sind die Wechseljahre (Klimakterium) zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr die zweite Lebensphase, in der Frauen eine einschneidende Veränderung ihres Körpers erfahren. Grund dafür ist eine erneute Hormonumstellung, die den Übertritt der Frau in das höhere Alter, das Senium, markiert. In dieser Zeit nimmt die Funktion der Eierstöcke ab, sodass immer weniger weibliche Geschlechtshormone produziert werden.

Psychische Beschwerden während der Wechseljahre

Die Umstellung des Hormonhaushalts bewirkt nicht nur physische, sondern auch psychische Beschwerden. Vor allem in der Menopause leiden Frauen unter Reizbarkeit, Nervosität und depressiven Verstimmungen. Das sexuelle Verlangen lässt nach, Schlafstörungen und Ängste treten auf. Die Beschwerden können bei Frauen zwischen sechs Monaten und drei Jahren andauern und werden von jeder Frau als unterschiedlich belastend wahrgenommen.

Johanniskraut, Melisse und Passionsblume

Zur Linderung der Beschwerden empfiehlt der Apotheker und Autor Mannfried Pahlow eine Reihe von Methoden, wie Frauen die hormonell bedingte Unausgeglichenheit mit pflanzlichen Mitteln lindern. Beabsichtigen Sie, eine oder mehrere dieser Empfehlungen bei sich anzuwenden, sollten Sie Ihren Haus- beziehungsweise Frauenarzt darüber informieren. Eine Behandlung im Rahmen der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) kann eine schulmedizinisch Therapie nicht ersetzen, sondern nur begleiten. Speziell für die Behandlung von Unausgeglichenheit betont Pahlow die beruhigende Wirkung der Heilpflanzen Johanniskraut, Melisse, Passionsblumenkraut, Baldrian und Kamille.

Heublumen-Bad zum Entspannen

Wer kennt nicht die entspannende und beruhigende Wirkung von Bädern? Um der Unausgeglichenheit in den Wechseljahren entgegenzuwirken, empfiehlt Pahlow ein Bad mit Heublumen.

Zubereitung: Übergießen Sie 300 bis 500 g Heublumen mit 5 l Wasser, bringen Sie es zum Ersieden und kochen Sie es 15 min aus. Anschließend die Pflanzenreste abseihen und den Sud dem Badewasser hinzufügen.

Anwendung: Nehmen Sie 2 Mal pro Woche 1 Sitz- oder Vollbad. Achten Sie auf eine Wassertemperatur von 37 bis 38 Grad Celsius. Der Apotheker empfiehlt, das Heublumen-Bad 10 min zu nehmen und anschließend zu ruhen.

Johanniskraut zur Beruhigung

Bereits seit 1814 wird Johanniskraut zur Beruhigung der Nerven und gegen leichte bis mittelschwere Depressionen angewendet. Besonders in Form von Tee ist die Einnahme dieser Heilpflanze beliebt. Der Apotheker rät zu einer Teekur von 4 bis 6 Wochen, denn erst ab diesem Zeitraum wirkt sich das Pflanzenextrakt positiv auf die psychische Verfassung der Betroffenen aus: Die Stimmungslage hellt sich deutlich auf und Nervosität und Schlafstörungen lassen nach.

Hinweis: Johanniskraut erhöht die Sensibilität der Haut gegenüber Sonnenlicht. Meiden Sie bei der Einnahme von Johanniskraut deshalb den direkten Kontakt mit praller Sonne und achten Sie auf einen möglichst kurzweiligen Aufenthalt im Sonnenlicht. Höhensonnen- und Solarbestrahlung sind in dieser Zeit Tabu.

Tee mit Johanniskraut

Zubereitung: Übergießen Sie 2 gehäufte Teelöffel Johanniskraut mit ¼ l siedendem Wasser. Lassen Sie den Tee 5 bis 10 Minuten ziehen und rühren Sie ihn gelegentlich um. Anschließend seihen Sie die Pflanzenextrakte ab.

Anwendung: Trinken Sie innerhalb von 4 bis 6 Wochen 2 bis 3 Tassen Tee täglich. Am besten trinken Sie ihn lauwarm und zwischen den Mahlzeiten.

Teemischungen mit Johanniskraut

Zutaten der ersten Teemischung:

•    30 g Johanniskraut
•    30 g Melissenblätter
•    30 g Passionsblumenkraut
•    10 g Baldrianwurzeln

Zutaten der zweiten Teemischung:

•    20 g Johanniskraut
•    20 g Melissenblätter
•    20 g Kamillenblüten
•    10 g Baldrianwurzeln
•    10 g Lavendelblüten
•    10 g Orangenblüten
•    10 g Hagebuttenfrüchte ohne Samen

Zubereitung: Übergießen Sie 3 gehäufte Teelöffel der Teemischung mit ¼ l siedendem Wasser. Lassen Sie ihn 5 bis 10 Minuten ziehen und rühren Sie ihn gelegentlich um. Anschließend die Pflanzenextrakte abseihen.

Anwendung: Trinken Sie die Teemischungen innerhalb von 4 bis 6 Wochen in Form von 2 bis 3 Tassen täglich. Nehmen Sie ihn lauwarm und zwischen den Mahlzeiten zu sich.


Quelle: Wechseljahre. Symptome und ihre Behandlung. In: „Heilpflanzen. Sanfte Behandlung von Alltagsbeschwerden“. Mannfried Pahlow. 2. Aufl. Stuttgart: S. Hirzel Verlag Stuttgart, 2009, S. 146-148.

| Von: Julia Schmidt; Bildrechte: racorn/Shutterstock
Ist das Trommelfell im Zuge einer akuten Mittelohrentzündung gerissen, hören die Ohrenschmerzen schlagartig auf.

Selbsthilfe bei Mittelohrentzündung

Tipps für die Behandlung von Kindern

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine typische Kinderkrankheit. Gerade in der nasskalten Jahreszeit, wenn Schnupfnasen wieder Hochsaison haben, ist das Risiko groß. Wie Eltern die Entzündung erkennen und die ärztliche Behandlung begleiten.

Unter einer akuten Mittelohrentzündung (AMO) wird die ein- oder beidseitige Entzündung der Schleimhäute im Mittelohr verstanden. Oft geht ihr ein Infekt des Nasen-Rachen-Raumes voraus. Ursächlich sind meist Viren, die einen Schnupfen auslösen. Diese steigen aus dem Nasenrachen über die Ohrtrompete in das Mittelohr, oft gefolgt von Bakterien. Dort siedeln sich die Krankheitserreger an und lösen eine Entzündung der Schleimhäute aus.

Vor allem Kinder bis sechs Jahren sind betroffen

Die Ohrtrompete von Kindern ist kürzer und weiter als die von Erwachsenen und somit anfälliger für Entzündungen. Deshalb ist die Mittelohrentzündung eine der häufigsten Kinderkrankheiten. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder bis zum sechsten Lebensjahr sind betroffen. Obwohl sie ab diesem Alter seltener wird, tritt sie grundsätzlich in jedem Alter auf.

Woran Eltern eine akute Mittelohrentzündung erkennen

Eine akute Mittelohrentzündung löst stark stechende, pulsierende und klopfende Ohrenschmerzen aus. Sie treten abrupt und vor allem abends und nachts auf. Fieber, Schwerhörigkeit, Erkältungsbeschwerden und Durchfall begleiten die Schmerzen. Auch ein schlechtes Allgemeinbefinden mit Unruhe, Abgeschlagenheit und Reizbarkeit sind Anzeichen einer akuten Mittelohrentzündung.

Darüber hinaus erkennen Eltern die Kinderkrankheit am Verhalten ihres Nachwuchses: Reiben am Ohr, verweigertes Trinken und häufiges Schreien sind typische Reaktionen auf die Beschwerden.

Erschrecken Sie nicht, wenn eitriges Sekret aus dem Ohr austritt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Druck im Ohr auf das Trommelfell so groß gewesen ist, dass es gerissen ist. Folglich läuft die im Zuge der Entzündung produzierte Flüssigkeit nicht mehr in den Rachenraum ab, sondern nach außen. Der Riss führt zum Druckausgleich, sodass die Schmerzen schlagartig verschwinden. Das Trommelfell heilt innerhalb einiger Tage von selbst.

Medikamente gegen Schmerzen

Eine Mittelohrentzündung verursacht starke Schmerzen und teils hohes Fieber. Clemens Bilharz, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, rät, die Beschwerden mit Standardanalgetika (Schmerzmittel) zu behandeln. Hierfür eignen sich Paracetamol und Ibuprofen. Paracetamol ist auch in Form von Zäpfchen erhältlich. Generell können jedoch alle Medikamente bei einigen Kindern Allergien mit teils schweren Folgen auslösen. Greifen Sie deshalb nur zu diesen Mitteln, wenn es notwendig ist.

Hinweis: Eltern sollten Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) nur nach ärztlicher Anweisung Ihrem Kind geben. Dies gilt auch für Jugendliche. Es besteht die Gefahr, dass bei dem Kind nach Abklingen des viralen Infekts erste Anzeichen des Reye-Syndroms auftreten. Lang anhaltendes Erbrechen kann ein erstes Symptom für die seltene, aber im schlimmsten Fall tödlich verlaufende Krankheit sein. Gehen Sie bei ersten Anzeichen deshalb sofort mit Ihrem Kind zum Arzt.

Hinweise zu Ohrentropfen und Nasensprays

  • Verabreichen Sie Ihrem Kind ohne Anordnung des Arztes keine Ohrentropfen! Ist das Trommelfell noch nicht gerissen, gelangen diese nicht in das Mittelohr. Bei bereits defektem Trommelfell drohen Innenohrschäden.
  • Stecken Sie keine Watte in den Gehörgang, um den Ohrausfluss zu stoppen. Durch die Watte bildet sich eine feuchte Kammer, in der sich Krankheitserreger schnell vermehren.
  • Ist die Mittelohrentzündung im Zuge eines Schnupfens aufgetreten, können Sie Nasentropfen und -sprays anwenden. Diese bewirken zwar nicht das Abheilen der Mittelohrentzündung, führen jedoch zum Abschwellen der Nasenschleimhäute. Folglich kann Ihr Kind besser atmen und nachts schlafen. Zudem nimmt die Bereitschaft zu trinken wieder zu. Hat der Arzt die Arznei nicht verordnet, lassen Sie sich bei der Anwendung von Ihrem Apotheker beraten.

Antibiotika sind nicht immer sofort notwendig

Deutet alles auf eine akute Mittelohrentzündung ohne Komplikationen hin, heilt diese meist innerhalb weniger Tagen von selbst. Experten raten deshalb bei Kindern ab sechs Jahren, denen es einigermaßen gut geht, mit einer Gabe von Antibiotika ein wenig zu warten. Grundsätzlich sollten Sie jedoch mit Ihrem Kind zum Arzt gehen, um die individuelle Behandlung abzusprechen.

Verschlechtert sich der Allgemeinzustandes Ihres Kindes in den nächsten ein bis zwei Tagen oder nehmen die Ohrenschmerzen zu, verschreibt der Arzt in der Regel doch ein Antibiotikum. Bei Kindern unter sechs Jahren, Risikopatienten oder bei schwerer Mittelohrentzündung wird es meist sofort verabreicht. Halten Sie sich bei der Einnahme genau an die Anweisung Ihres Arztes. Grundsätzlich dauert die Anwendung fünf bis sieben Tage. Meist geht es dem Kind nach zwei bis drei Tagen wieder besser. Verabreichen Sie das Mittel trotzdem bis zum angegebenen Zeitpunkt, um einer Antibiotikaressistenz vorzubeugen. Auch Ihr Apotheker steht Ihnen jederzeit mit Rat zur Verfügung.

 Folgende Hausmittel helfen, um die Mittelohrentzündung zu behandeln

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genügend trinkt. Weigert es sich, versuchen Sie es mit seinem Lieblingsgetränk – auch, wenn es gegebenenfalls viel Zucker enthält. In diesem Fall Zähneputzen nicht vergessen.
  • Ein dickes Kissen für die Nacht erleichtert den Abfluss des Ohrensekrets
  • Achten Sie darauf, dass während des Badens oder Duschens kein Wasser in das entzündete Ohr gelangt. Schwimmbadbesuche sind Tabu.
  • Bestrahlen Sie das betroffene Ohr mit Wärme. Rotlicht, ein Traubenkernkissen oder eine Wärmflasche sind ideal. Auch ein Säckchen mit gehackten und abgekochten Zwiebeln, die in einem dünnen Tuch eingewickelt sind, lindert die Schmerzen.
  • Kalte Wadenwickel reduzieren das Fieber.

| Von: J. Schmidt/Clemens Bilharz/DAZ/BVKJ/hno-aerzte-im-netz.de/patientenleitlinien.de; Bildrechte: Image Point Fr/Shutterstock
Beschwerden des Reizdarms können die Lebensqualität deutlich beeiträchtigen.

Pflanzliche Hilfe gegen Reizdarm

Mit Heilpflanzen Beschwerden lindern

An einem Reizdarmsyndrom leiden 15 Prozent der Bevölkerung. Die Beschwerden sind zwar gesundheitlich unbedenklich, beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen jedoch teilweise erheblich. Diese pflanzlichen Mittel lindern die Beschwerden.

Unter einem Reizdarm versteht man eine funktionelle Darmstörung, bei denen keine organischen Ursachen erkennbar sind. Das Syndrom äußert sich durch diffuse Bauchschmerzen, Druckgefühl im Bauchbereich, Völlegefühl und rumorende Darmgeräusche. Darüber hinaus weicht die Häufigkeit der Stuhlentleerungen deutlich von der üblichen ab. Auch die Beschaffenheit des Stuhls variiert.

Organische Ursachen müssen abgeklärt werden

Leiden Betroffene unter Verdauungsbeschwerden, sollten sie ihren Hausarzt aufsuchen. Bevor Fertigarzneimittel pflanzlicher Herkunft (Phytopharmaka) gegen ein Reizdarmsyndrom eingenommen werden, muss der behandelnde Arzt organische Ursachen ausgeschlossen haben. Diagnostiziert der Arzt einen Reizdarm und verordnet eine Therapie, sollten Sie sich zuerst an die schulmedizinischen Anweisungen halten. Phytopharmaka können diese Behandlung nicht ersetzen, aber unterstützen. Kristina Jenett-Siems, Doktorin für Pharmazeutische Biologie, gibt in der „Deutschen Apotheker Zeitung“ Hinweise, wie Betroffene ihre Beschwerden mit pflanzlichen Arzneimitteln lindern.

Flohsamen und Flohschalen

Flohsamen und -schalen sind wirksame und effektive Mittel gegen das Reizdarmsyndrom. Meist sind sie im Handel unter dem Namen Plantago ovata – Indische Flohsamen, lose oder als Fertigarzneimittel erhältlich. Sie enthalten 30 Prozent Schleimstoffe, die sich hauptsächlich in der Samenschale befinden. Dank ihrer Eigenschaft aufzuquellen, wirken sie einerseits abführend und erleichtern so den Stuhlgang. Andererseits binden sie Wasser und beugen so Durchfall vor. Darüber hinaus binden sie giftige Substanzen.

Bei der Anwendung trockener Flohsamen droht ein Darmverschluss. Nehmen Sie die Flohsamen oder -schalen deshalb immer in aufgeschwemmter Form ein. Anschließend spülen Sie mit einem Glas Wasser nach. Die Anwendung ist für Schwangere und Stillende unbedenklich. Kinder unter 12 Jahren sowie Personen mit schwer einstellbarem Diabetes sollten von dieser Behandlung jedoch absehen. Wundern Sie sich nicht, falls am Anfang der Behandlung vermehrt Blähungen auftreten. Beginnen Sie in diesem Fall mit einer niedrigeren Dosis. Die mittlere Tagesdosis beträgt für Indische Flohsamen 12 bis 40 g und für Schalen 4 bis 20 g. Andere Medikamente werden in einem halb- bis einstündigem Abstand eingenommen.

Ein Hinweis für Diabetes-Patienten: Besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker, da die Insulindosis eventuell angepasst werden muss.

Kümmel- und Pfefferminzöl

Leiden Betroffene vor allem an Schmerzen, Blähungen und Gasabgängen, rät Jenett-Siems pflanzliche Mittel wie Kümmel- oder Pfefferminzöl. Die Monopräparate erhalten Sie in Form von Tropfen oder Kapseln in Ihrer Apotheke. Auch Kombinationspräparate der zwei Heilpflanzen empfiehlt die Pharmazeutische Biologin. Bei einer Einnahme von zweimal einer Kapsel am Tag belegen kleinere Studien die Wirksamkeit solcher Kombinationspräparate. Diese Phytopharmaka können Schwangere und Stillende unbesorgt anwenden. Für Kinder unter 12 Jahren sind sie jedoch nicht geeignet.

Kombinationspräparate mit bitterer Schleifenblume

Eine weitere Möglichkeit zur phytopharmazeutischen Behandlung des Reizdarmsyndroms sind Kombinationspräparate mit der bitteren Schleifenblume. Jenett-Siems empfiehlt vor allem Mittel, die neben dem alkoholischen Frischpflanzenextrakt der bitteren Schleifenblume alkoholische Drogenauszüge von Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Melissenblättern, Mariendistelfrüchten, Pfefferminzblättern, Schöllkraut und Süßholzwurzel enthalten. Die Bestandteile regen die Magenbewegungen an und wirken entzündungshemmend und krampflösend.

Die genaue Dosis variiert mit Art des Präparats. Lassen Sie sich hierzu in Ihrer Apotheke beraten. Aufgrund des Alkoholgehalts sollten sich Stillende und Schwangere bei Ihrem Apotheker nach einer Alternative erkundigen. Aus dem gleichen Grund sollten Eltern die Anwendung bei ihren Kindern vorab mit ihrem Arzt und Apotheker besprechen.

Quelle: Dr. Kristina Jenett-Siems: Mit Phytopharmaka gegen Reizdarm. In: Deutsche ApothekerZeitung, Heft 41, Oktober 2015, S. 34f.

| Von: Julia Schmidt/Kristina Jennett-Siems/ DAZ; Bildrechte: Maridav/ Shutterstock
Die Ursachen von Haarverlust sind vielseitig.

Problem Haarausfall

Hilfe für Männer und Frauen

Haare im Waschbecken, am Kamm oder in der Suppe? Während ein bestimmtes Maß an Haarverlust natürlich ist, leiden einige Männer und Frauen unter chronischem Haarausfall. Lesen Sie hier über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Dicke oder dünne, glatte oder gewellte, krauses oder gelocktes Haar – Haartypen gibt es viele. Allen gemeinsam ist, dass der Träger der Haarpracht durch den natürlichen Haarzyklus täglich etwa 50 bis 100 Haare verliert. Je nach Pflegegewohnheiten variiert die Zahl: Bei täglicher Haarwäsche fallen konstant viele Haare aus. Werden die Haare hingegen ein- oder zweimal in der Woche gewaschen, fallen an diesen Tagen etwas mehr Haare aus, an den übrigen verhältnismäßig weniger. Welche Formen von Haarausfall es gibt und wie Betroffene sie selbst behandeln, erläutert die Pharmazeutin Dr. Sabine Werner in der Deutschen Apothekerzeitung.

Ursachen von Haarausfall

Generell liegt die Ursache von Haarausfall in der Vergangenheit. Unterschiedliche Faktoren können die Wachstumsphasen der Haarfollikel zeitlich zusammenführen. Unter einem Haarfollikel versteht man das Haarbalg, in dem das Haar gebildet wird und das dieses in der Kopfhaut verankert. Veränderungen im Hormonhaushalt wie in der Pubertät, beim Wechsel des Verhütungsmittels oder in den Wechseljahren führen dazu, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Haare als sonst ausfallen. Auch die kurzfristige Einnahme bestimmter Arzneimittel sowie emotionaler Stress, Diäten oder Fieber führen zu diesem Effekt. Da die Follikel in diesen Fällen nicht geschädigt sind, pendelt sich der Haarausfall nach einigen Wochen wieder ein.

Ursachen der chronischen Alopezie

Leiden Männer und Frauen länger als sechs Monate unter starkem Haarausfall, handelt es sich um chronischen Haarausfall (Alopezie). Ursachen dafür gibt es viele: Grunderkrankungen wie Funktionsstörungen der Schilddrüse, Pilzerkrankungen der Kopfhaut, Eisenmangel bei Frauen oder Syphilis und HIV können zu verstärktem Haarausfall führen. Auch Nebenwirkungen von langfristig eingenommenen Medikamenten lösen chronische Alopezie aus. In diesem Punkt gewinnen Sie Klarheit, indem Sie Ihren Apotheker zu den Nebenwirkungen Ihrer Medikamente befragen.

So unterschiedlich, wie die Ursachen sind, sind die Behandlungsmöglichkeiten. Leiden Sie länger als sechs Monate unter verstärktem Haarausfall, sollten Sie zur Differenzialdiagnose und Auswahl der Behandlungsform Ihren Arzt konsultieren.

Ursache der androgenetischen Alopezie

Häufigste Ursache einer Alopezie bei Männern und Frauen ist der genetisch bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie). Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit fortschreitendem Alter. Bis zum 70. Lebensjahr leiden 80 Prozent der Männer und bis zu 40 Prozent der Frauen unter verstärktem Haarausfall. Zum Ende der genetisch festgelegten Lebenszeit des Haarfollikels nimmt dessen Überempfindlichkeit gegenüber Androgenen zu. Dies gilt besonders für das Dihydrotestosteron (DHT). Dieses verkürzt den Wachstumsprozess der Haare, das Follikel verkümmert und die dünner werdenden Haare werden durch einen Flaum ersetzt. Schließlich entsteht eine Glatze. Die androgenetische Alopezie löst diesen Prozesses früher als natürlich vorgesehen aus.

Behandlungsmöglichkeit bei Männern

Das European Dermatology Forum (EDF) hat für die Therapie der androgenetischen Alopezie 2011 eine S3-Leitlinie zur Behandlung veröffentlicht. Als rezeptfreie Variante ist dabei der Arzneistoff Minoxidil Mittel der Wahl. Männer erhalten Minoxidil als 5-prozentige Lösung oder 5-prozentigen Schaum im Handel. Die Pharmazeutin empfiehlt zweimal täglich 1 Milliliter Lösung oder 1 Gramm Schaum auf die betroffenen Stellenaufzutragen. Die maximale Wirkung setzt nach einem halben Jahr ein. Wird die Behandlung abgebrochen, lässt die Wirkung sukzessive nach. Vor allem die Lösung führt zu Nebenwirkungen wie Juckreiz und Rötungen an den behandelten Stellen. Der reizende Nebeneffekt des Schaums ist weniger stark.

Achtung, nicht erschrecken: Durch das Anwenden von Minoxidil kommt es vier bis acht Wochen nach Behandlungsbeginn zu einem verstärkten Haarausfall, dem sogenannten Shedding: Grund dafür ist die stimulierende Wirkung auf die Haarfollikel, durch die die neu gebildeten Haare die bereits abgestorbenen aus dem Follikel drängen. Brechen Sie die Therapie vorher nicht ab! Der verstärkte Haarverlust ist ein Zeichen, dass Ihr Körper auf die Therapie anspricht.

Behandlungsmöglichkeiten bei Frauen

Das örtliche Anwenden von Minoxidil ist bei Frauen mit androgenetischer Alopezie die wirksamste Behandlungsmöglichkeit. Im Gegensatz zu Männern ist der Wirkstoff für Frauen in einer 2-prozentigen Form verfügbar. Schwangere und stillende Frauen sollten Minoxidil nicht anwenden. Bei Frauen dunklen Typs kann es zu einem verstärkten Haarwuchs im Gesichtsbereich kommen.
Neben der zu früh eingesetzten Überempfindlichkeit des Haarfollikels gegenüber DHT kann auch eine hormonelle Fehlregulation mit einem Überschuss an männlichen Hormonen (Hyperandrogenismus) Ursache der Alopezie bei Frauen sein: Symptome dafür sind verstärkter Haarwuchs an Stellen, die für Männer charakteristisch sind sowie Veränderungen im weiblichen Zyklus. Für die Behandlung mit rezeptfreien Mitteln stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Apotheker beraten, welches Mittel das für Sie geeignetste ist. Vor allem im Falle einer Schwangerschaft kommen nur bestimmte Wirkstoffe in Frage.

Die Behandlung kosmetisch unterstützen

Besonders bei Männern können beim Anwenden von Minoxidil Nebenwirkungen wie gereizte und gerötete Kopfhaut auftreten. Zum Vorbeugen eignen sich Harnstoff-haltige Shampoos. Begleiterkrankungen sind ebenfalls zu behandeln.

Achtung bei rezeptfreien Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln

Spurenelemente wie Zink, Selen oder Kupfer spielen beim Wachsen der Haare eine wichtige Rolle. Auch Kombinationspräparate mit Vitaminen wie Niacin, Biotin oder Pantothensäure, Aminosäuren oder mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Hirse-Extrakt wirken sich positiv auf das Haarwachstum aus. Männer und Frauen auf der Suche nach rezeptfreien Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln haben im Handel die Qual der Wahl. Ihre Wirksamkeit ist meist durch Studien nicht ausreichend belegt. Die Pharmazeutin Werner empfiehlt die Einnahme ausgewählter Präparate zur Begleitung der Behandlung von Haarausfall bei hohem Leidensdruck der Betroffenen.

Um hinsichtlich der Wirkung nicht enttäuscht zu werden, sollten Sie sich bei der genauen Wahl eines frei verkäuflichen Mittels gegen Haarausfall an Ihren Apotheker wenden. Nehmen Sie diese Präparate regelmäßig ein. Die Wirkung erfolgt nach zwei bis drei Monaten.


Quelle: Dr. Sabine Werner: Ein haariges Problem. Formen des Haarausfalls und Therapiemöglichkeiten. In: Deutsche ApothekerZeitung, Heft 22, Mai 2015, S. 38-42.

| Von: Julia Schmidt/Dr. Sabine Werner/ Deutsche ApothekerZeitung; Bildrechte: Goodluz/Shutterstock